Nense Gomez (Berlin/Chile) Nr.9

„Doberman composition #27“

:/ Sometimes I feel like a dog.

Nense ist bekannt für seine unverwechselbare, nostalgisch anmutende und zugleich moderne Farbpalette, seine klaren Silhouetten und seine kühnen Pinselstriche. Seine Arbeiten spiegeln die Schnittstelle zwischen seiner persönlichen Geschichte und seiner Sicht auf die aktuelle soziale und emotionale Lage weltweit wider. Sein Stil, der grafi sche und malerische Techniken miteinander verbindet, weist avantgardistische Einfl üsse wie Futuris- mus, Abstraktion und Kubismus sowie Einfl üsse des zeitgenössischen Pop-Muralismus auf.

 

 

 

 

LOOMIT + BERT (München+Weimar) Nr.10

o.T.

Für den Artist Loomit ist das UW-Etzdorf eine Art trojanisches Pferd, abgestellt im vermeintlich kulturell leeren ländlichen Raum. Im Unterschied zum „Original“ klettern aus dessen Innerem keine blutrünstigen Krieger sondern Panda´s. Dabei lässt es der Künstler dem Betrachter vollkommen frei ob die Pandas eine tiefere Bedeutung haben oder in einer Plage ausarten. Loomits Name taucht als abstrakter 3-dimensionaler Schriftzug in angeschnittener Form um das Pferd herum wieder auf.

Der in München lebende Loomit ist einer der bekanntesten Graffitipioniere Deutschlands. Mit 14 bemalte er 1983 den Wasserturm in Buchloe. Zwei Jahre später folgte schon der „Geltendorfer Zug“, der erste auf voller Länge bemalte Zug in Deutschland. Diese Aktion brachte ihm Fame in der Szene, jede Menge Schlagzeilen und 4000 DM Strafe.

Dies konnte ihn natürlich nicht davon abbringen seinen Weg im Graffiti zu gehen. Sein präganter Style gelangte unter anderem 1993 ins private Badezimmer des Münchner Oberbürgermeisters. Durch seine europa- und weltweiten Kontakte konnte er später immer größere Projekte umsetzen Dazu gehören unter Anderem die „Zeichen der Zeit“-Fassade in Hamburg, das Mural Globe Wandbild in São Paulo oder in jüngerer Zeit das Georg-Elser-Graffito in München oder das 80 Meter lange Stauwehr Oberföhring.

Sein unverkennbarer Stil ist geprägt von weit ausladenden abstrakt gehaltenen 3D-Schriftzügen in deren Räumen er ganze Geschichten erzählt, die immer wieder Bezug auf den Ort nehmen, wo sie entstehen. Dabei arbeitet er momentan oft mit dem Weimarer Maler Bert zusammen, der mit seinen sehr fein ausgearbeiteten fotorealen Elementen einen fruchtbaren Gegensatz zum den eher malerischen Formen Loomits in das Gesamtbild einbringt.

 

 

 

 

Ordinario (Köln) Nr.11

o.T.

Ordinarios Arbeiten sind geometrische Reaktionen auf architektonische Gegebenheiten. Sie verstecken sich und tauchen plötzlich auf. Dabei interessiert sich Ordinario für ungewöhnliche Situationen, die für Maler nicht unbedingt interessant sind. Seine Formstudie beinhaltet vielfältige Formate. Zum derzeitigen Zeitpunkt untersucht er kreisförmige Entitäten, die verspielt auf ihre Umgebung eingehen.

Ordinario ist ein deutsch-filipinischer Künstler, der in Köln und Berlin lebt. Als Architekturzeichner widmet er sich zwei- und drei-dimensionalen Formen. Diese sind inspiriert von natürlichen Formen, denen er in seiner eigenen kulturellen Auseinandersetzung immer wieder begegnet. Er versucht, seine kulturellen Wurzeln zu verstehen, ohne viel über sie zu wissen. So wird das Carabaohorn zum Leitmotiv und Ziegenköpfe werden zu architektonischen Bausteinen. Er schloss 2022 als Meisterschüler in der Architekturklasse der Kunstakademie Düsseldorf ab und wurde mit dem Förderpreis ausgezeichnet.

Ordinario begibt sich auf eine Reise mit interkulturellen Techniken. Er bezeichnet sich selbst als kulturelles „Dazwischen“ und wird so zu einem Experimentator, der die Grenzen seiner Herkunft verwischen will. So entsteht eine neue Welt, die ihren eigenen Regeln folgt. Die Formen, die durch diese Ordnung entstehen, sind „freihändig- symmetrisch“. Sie entstehen durch ein „unsichtbares Raster“, das Ordinario Punkt für Punkt erscheinen lässt. Diese Technik erlaubt es ihm, sich auf einem zweidimensionalen Medium ohne vorge- fertigtes Raster präzise zu orientieren. Er bewegt sich zwischen geometrischer Konstruktion und Freihandzeichnung auf der Grundlage architektonischer Operationen. Das Ergebnis sind Entwürfe von Formen, Mustern und Zeichen.

 

 

 

Distubanity Graphics (Berlin) Nr.12

„IS ANYBODY HOME? / Gaza“

„Are you coming back?
What are you doing? / What do you think? / What do you think?
Are you coming back?
When you walk down the street / You don‘t know where you go
Is anybody home? / Is anybody home?
This story reminds me of you / Reminds me of you
Is anybody home? / Is anybody home?
Are you coming back?“

Trisomie 21 / Chapter IV 1986

Der Song selbst ist nicht das Thema meines Wandbildes, aber ein Ausgangspunkt für mich. Die Frage klingt im Titel so sehnsüchtig vertont, dass sich mir dieser Song in Teenage-Zeiten für immer eingeprägt hat. Sie klingt, als ob jemand nach langer Abwesenheit über die Türschwelle seines Hauses tritt, voller Hoffnung, seine Liebe, seine Eltern, seine Liebsten wiederzusehen.

Die Frage klingt allerdings auch so, als ob jemand vielleicht schon bald eine unbestimmte Furcht in sich tragen könnte, als er das erste Zimmer des Hause vorsichtig betritt. Vielleicht ist niemand da? Vielleicht wartet eine Enttäuschung auf den Fragenden? Vielleicht ist auch, zum Erschrecken des Ankommenden, keine Antwort da, weil alles still bleibt? Es steigt eine Angst vor der Stille auf. Ist der Ort verlassen? Ist gar jemand dort, der eigentlich nicht da sein sollte?

Die Stimmung vorsichtiger Vorfreude ändert sich. Es entstehen Befürchtungen in Sekundenschnelle. Das Herz rast, die Gedanken rasen. Im Song wechselt die fragende Perspektive mehrfach, es herrscht doppelte Unsicherheit. Diese Gefühle kann jeder verstehen.

Wie aber ist es jetzt, nach Hause kommen zu wollen, wenn Du ein Mensch in Gaza bist, wenn Du ein Kind in Gaza bist? Ist noch jemand da, oder ist alles fort? Das Haus, die Menschen, der Ort? Ist alles verbrannt, ist nur ein Trümmerfeld noch zu finden, oder ist auch der Schutt schon weggeräumt?

Es bleiben Fragen: Deine Welt, meine Welt, wessen Welt ist wichtig? Gibt es eigentlich ein Recht auf ein Zuhause? Wenn ja, wer hat das Recht auf ein Zuhause? In der vollkommenen Rechtlosigkeit gibt es keine Welt für alle - und in einer rechtlosen Welt kein Zuhause. Ein Recht, das nicht für alle gilt, gibt keinen Schutz, es ist wertlos. In welcher Welt möchtest aber Du leben? Möchtest Du alleine im Recht sein? Kannst Du teilen?

Der äusserst vielseitig malende Matthias Gephart aka Distubanity Graphics verwandelt ganze Räume in einen Rausch aus Linien, Farben und organischen Typografien. Seine Arbeit ist zwar noch am klassichen Graftiti orientiert, entwächst aber sprichwörtlich in in den Raum und schafft mehrschichtigte Gebilde, die sich in etwas größerem als einer Kategorie auflösen.

Matthias Gephart über sich selbst: „Ich bin ein Grafikdesigner und Illustrator aus Bochum, der in Berlin lebt. Ich schreibe und zeichne und male Graffiti-Typografie seit 1988. Ich fotografiere, ich kombiniere, ich überblende, ich freestyle, ich mixe, ich mache Bücher. Ich sehe Wildstyle Lettering als eine Herausforderung, Formen zu schaffen, die sich manchmal eher wie Underground Comics aus den Sechzigern anfühlen als wie solide 80er Jahre Klischees.“

 

 

Hifi (Dortmund) Nr.13

„Concrete & Steel“ (painted Version)

Die beleuchtete und sich bewegende Plastik ist eine humorvolle Hommage an Graffiti und Street Art. Im Zentrum steht die bewusst übertrieben karrikative Figur des Sprayers mit Maske und Roller als Schwertersatz. Die Teenage Ninja Turtles lassen grüßen. Um den „Malergott“ bewegt sich ein ICE im Kreis, der Wholetrain als episches Endziel, und unter ihm die Stadt als sein Reich aus Beton und Farbe.

Fassaden im Ruhrgebiet stelzen, Wale schweben singend durch eine grünblauvilott luminiszierende Landschaft die eigentlich schon längst unter Wasser steht. Häuser transformieren fließend in Gesichter und Geschichten, Roboter lernen endlich schwimmen: Willkommen in den Welten von Hifi aka Denis Klatt!

Hifi über sich selbst: Big walls.Surrealistic art „Seit 1994 bin ich ein aktiver Sprayer. Ich bin im Ruhrgebiet aufgewachsen, lebe in Dortmund und bin vor allem für meine surrealistischen Fassadenbilder (Murals) bekannt, die der Betrachter meist erst entschlüsseln muss. Realistische Licht- und Schattensetzung sind mein technisches Steckenpferd. Oft sind surrealistische Motive gepaart mit aktueller oder lokaler Thematik Inhalt meiner Murals.“

 

 

 

Kitra (Berlin/Rumänien) Nr.14

o.T

Kitra (Nicu Duta) wurde 1981 in der düsteren Betonlandschaft des kommunistischen Rumäniens geboren und wuchs in den 90er Jahren in einem von Chaos geprägten postrevolutionären Klima auf. Diese Umgebung formte ein Bedürfniss nach Eskapismus und seine visuelle Sprache, die auf der Verwendung von kräftigen Farben und einer obsessiven Beschäftigung mit Sauberkeit und Ordnung basiert.

Nach seinem Studium interessierte sich Kitra für Street Art und die rohe, unmittelbare Reaktion, die man erhält, wenn man sein Werk in der Öffentlichkeit ausstellt. Auf der Suche nach mehr Beständigkeit und Intimität hat sich seine Wahl des Mediums in den letzten 10 Jahren allmählich von urbanen Interventionen zu Wandmalereien und später zur Leinwand verlagert.

Kitra, der derzeit in Berlin lebt und arbeitet, lässt sich von der urbanen Landschaft, dem Industriedesign und der digitalen Welt inspirieren und nutzt einen mathematischen Ansatz, um seine geometrischen, abstrakt- minimalistischen Kompositionen zu schaffen, die an die Sensibilität von Künstlern wie Frank Stella, Peter Halley oder Bridget Riley erinnern. Quelle: Kitra

 

 

 

PlusMinus3 (Dresden) Nr.15

„PM3 - UWE26“

In unserer Arbeit sind wir stets auf der Suche nach der Balance aus dem Unvohersehbaren der Umgebung und der geplanten Komposition.

Der Zufallsmoment in unseren Bildern liegt sonst beispiels- weise in der Eigenheit der Holzmaserung oder in der Struktur der Wand. In diesem Wandbild für das UWE Festival war der Ausgangspunt eine in die Jahre gekommene Malerei von Jens Besser. Das zerfallende Wandbild mit seinen organischen Formen und sich auflösenden Flächen bildete die Grundlage für den unvorhergesehenen Part unserer Arbeit.

Statt das Bild einfach komplett zu überstreichen, verflechten wir hier „alte“ Malerei, morbide Wandstruktur und einen geometrischen Formenkanon. Die geschichteten Ebenen befinden sich dabei in einem Wechselspiel aus Vorder- und Hintergrund. Viele der grafischen Bildelemente ergeben sich aus der Verlängerung der Fluchten der umgebenden Architektur. Diese optischen Verbindungen werden von einem speziellen Standpunkt besonders gut sichtbar und lösen die Grenzen der Wandmalerei und des Raumes partiell auf.

Plusminus3 ist ein Kunstkollektiv aus Dresden, bestehend aus Hartmut Friedrich-Pfefferkorn, Patrick Nitzsche- Kunath und Jerome Werner. Wir arbeiten an der Schnittstelle von urbaner Kunst und zeit- genössischer Abstraktion. Unser Fokus liegt auf raumbezogenen Arbeiten, die Architektur aufnehmen, brechen und neu interpretieren. Unsere Kunst ist ein bewusster Dialog mit dem urbanen Raum. Jeder Ort hat seine eigene Geschichte, seine eigene Energie – und wir entscheiden mit Respekt, ob wir ihn ergänzen, herausfordern oder gezielt brechen. Es geht um Interaktion, nicht um bloßes Übermalen.

Mal fügen wir uns harmonisch in die Umgebung ein, mal setzen wir bewusste Störungen, um bestehende Strukturen infrage zu stellen und neue Perspektiven zu eröffnen. Dabei sind wir selbst Teil dieses Prozesses: Als Kollektiv mit drei eigen- ständigen künstlerischen Handschriften inspirieren, übermalen und fordern wir uns gegenseitig heraus. Unsere Arbeiten entstehen in einem ständigen Wechselspiel aus individuellen Impulsen und kollektiver Dynamik – immer zwischen Kontrolle und Neuentdeckung.

Unser Stil wurzelt in der Graffi ti-Kultur, hat sich jedoch zu einer eigenständigen, geometrischen Formensprache weiterentwickelt. Wir arbeiten mit Skalierung, Überlagerun- gen und optischen Täuschungen, verbinden mathematische Planung mit intuitiver Gestaltung und erschaffen so Werke, die das Spannungsfeld zwischen Struktur und Zufall ausloten. Ein zentrales Element unserer Arbeit ist Materialität. Neben der klassischen Sprühdose ist Holz unser Markenzeichen. Seine organische, unkontrollierbare Struktur steht im stärksten Kontrast zu unseren geometrischen Kompositionen und bringt eine zusätzliche Dimension der Unvorhersehbarkeit in unsere Werke. Skulpturale Elemente spielen in unseren Werken zunehmend eine Rolle.

 

 

 

 

Lapiz (Hamburg) Nr.16

„Frauke Merz“

Bundeskanzler Friedrich Merz ist der festen Überzeugung, dass allein Leistung zählt. Damit stimmt er mit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1975 überein, dass jegliche Privilegien ablehnt und allein die Leistungsfähigkeit der Menschen in unserer Demokratie anerkennt. Das ist natürlich Quatsch. Wir leben in einer Gesellschaft der Privilegien: Geburtsort (und Land), Geschlecht, Bildung der Eltern, Name usw. entscheiden über Bildungs-und Lebensstandard oder unsere gesellschaftliche Anerkennung.

Wie würde also Friedrich Merz aussehen, würde man ihm einige seiner Privilegien entziehen, wenn er zum Beispiel als Frau auf die Welt gekommen wäre in eine Arbeiterfamilie und nicht im Sauerland in eine Juristendynastie, wie wäre sein/ihr Leben verlaufen? Mit dieser Idee beschäftigt sich das Bild.

LAPIZ hat seine Arbeiten durch und durch der Gesellschaftskritik verschrieben. Seine farbenfrohen, lebendigen Schablonenarbeiten, die er auf großfl ächige Wände projiziert, decken die Ungerechtigkeiten unserer Welt auf. LAPIZ möchte mit seiner Kunst Werbung für die Wahrheit machen, Passanten aus dem Alltag reißen, sie aufwühlen und mahnen, sie miteinander ins Gespräch bringen und sie nötigen ihre eigene Haltung zu überdenken.

 

 

 

 

Onebran (Athen/Griechenland) Nr.17

o.T.

Durch unregelmäßige Formen, die oft durch scharfe Winkel und dreieckige Strukturen gekennzeichnet sind, fordert er den Betrachter zu einer tieferen Reise auf, um seine Emotionen zu entdecken und nach außen zu tragen. OneBran drückt sich mit Hilfe von Acrylfarben, Sprüh- farben und Foto-/Videobearbeitungssoftware aus, um die moderne urbane Kultur auf innovative Weise zu erfassen und in Formen zu verwandeln.

Onebran kreiert im öffentlichen Raum und nicht nur dort, wobei seine Spontaneität auf der ständigen Suche nach neuen Formen oder Elementen Oberflächen immer wieder neues Leben einhaucht.

 

Freizeitgruppe Gestaltung (Glauchau) Nr.18

"Mechanik"

Die Freizeitgruppe Gestaltung ist ein Künstlerkollektiv aus Glauchau, das sich über verschiedene Medien von Installation, Malerei bis zur Performance mit Orten, politischem Zeitgeschehen und Geschichte auseinandersetzt. Die Freizeitgruppe, das ist eine Architektin, ein Maler mit Streetart- und Graffiti-Background und ein Freier Künstler. Das Kollektiv entstand 2014 auf der ibug und ist mit dem Festival noch immer stark verbunden. Industriebrachen von Deutschland bis Georgien, öffentliche Räume und Straßen bilden eine Art Spielwiese für die Freizeitgruppe Gestaltung. Charakteristisch ist dabei auch ein gewisser Hang zum Hedonismus im Schaffensprozess und ein großer Schuss Ironie als Teil der thematischen Auseinandersetzung.

Abriss bildet Raum - Raum ist Spielraum! Lass uns spielen!