Jannosch Müller (Stuttgart) Nr.75

o.T.

Janosch Müller ist 1997 in Aalen geboren, er lebt und arbeitet in Stuttgart. Ab 2018 studiert er Kunst und intermediales Gestalten an der ABK, ebenfalls in Stuttgart.

Zentrale Themen der Auseinandersetzung sind Strukturen, öffentlicher Raum, ästhetischer Verfall und Prozess. Medial sind die künstlerischen Äußerungen dabei divers angelegt und reichen vom klassischen Tafelbild bis hin zu raumgreifenden Installationen oder subtilen Interventionen.

In Etzdorf wurden unter Anderem einige Kabel aus dem Fundus des Umspannwerkes entnommen und an verschiedenen Orten auf dem Gelände installiert. Ein subtiler Eingriff, spielend mit der Suggestion von Funktion. Die Kompositionen wurden dabei im Dialog mit den räumlichen Gegebenheiten erarbeitet.

Des Weiteren besteht seit 2013 eine intensive Praxis im Graffiti-Bereich. Dabei hat sich der Fokus in der jüngeren Zeit vermehrt in die Abstraktion verlagert. Ausgehend von Aspekten des Raumes (wie Architektur, Lichtverhältnisse oder Ähnlichem) werden abstrahierte Arrangements geschaffen. Bei diesen werden sowohl organische wie auch Urbane Strukturen als visuelle Referenzen herangezogen.

In Etzdorf wurden in diesem Kontext dreidimensional anmutende Objekte im Treppenhaus, Säulenraum und in der Halle geschaffen, wie auch minimalistischere Linienzeichnungen auf dem Dachboden.

Lapiz (Hamburg) Nr.76

„Wallporn / Still Lieben“

Sieht ein bisschen langweilig aus, oder? Was für Blumen sehen denn so aus? Gar keine, das sind keine Blumen, sondern Menstruationsschwämme. Die Tapete ist auch gar nicht so gefällig, wie sie erscheint. Wenn man genau hinschaut entdeckt man allerlei Spielzeug, Dildos, Vibratoren und mehr. Der weibliche Körper wird oft sexualisiert und in die Öffentlichkeit gestellt, sei es durch Werbung, Medien, Pornografie. Andererseits, aber ist die weibliche Sexualität und Lusterfüllung privat bzw. werden natürliche Funktionen des weiblichen Körpers tabuisiert (period shaming) als hätten sie in der Öffentlichkeit gar nichts verloren. Das Motiv versucht das vermeintlich Private aus seiner „Schmuddelecke“ herauszuholen und als das anzusehen, was es ist, normal und schön.

LAPIZ hat seine Arbeiten durch und durch der Gesellschaftskritik verschrieben. Seine farbenfrohen, lebendigen Schablonenarbeiten, die er auf großfl ächige Wände projiziert, decken die Ungerechtigkeiten unserer Welt auf. LAPIZ möchte mit seiner Kunst Werbung für die Wahrheit machen, Passanten aus dem Alltag reißen, sie aufwühlen und mahnen, sie miteinander ins Gespräch bringen und sie nötigen ihre eigene Haltung zu überdenken.

Gregorio Alvarez (Leipzig/Chile) Nr.77

o.T.

Hier sind zwei Arbeiten zu sehen, die die visuelle Wahrnehmung durch räumliche Eingriffe mit Klebeband und Farbe untersuchen. Ersteres ist ein Material, das gemeinhin mit Warnungen oder Grenzen assoziiert wird. Das zweite ist normale schwarze Farbe. Ich verwende beides für Experimente und die Schaffung von Installationen, die die Erfahrung des architektonischen Raums verändern. Durch sich wiederholende geometrische Muster, Maßstabsspiele und künstliche Bewegungseffekte versuche ich, optische Täuschungen zu erzeugen, die die physische Realität in Frage stellen und eine neue Lesart der Umgebung aktivieren.

Meine Arbeit konzentriert sich auf die Intervention im öffentlichen Raum durch verschiedene Medien und Formate, wobei die Wiederholung von Geometrien und optische Täuschungen die Hauptrolle spielen.

Zurzeit experimentiere ich mit Klebebandkunst und untersuche die Interaktion zwischen visueller Wahrnehmung und der Konstruktion optischer Täuschungen durch ein scheinbar einfaches Material: gelbes und schwarzes Sicherheitsband.

Mit diesem Material möchte ich untersuchen, wie sich wiederholende geometrische Muster, das Spiel mit Maßstäben und künstliche Bewegungen unsere Interpretation der Realität in Frage stellen und unerwartete Sinnes- erfahrungen erzeugen können.

Naamlooozz (Niederlande) Nr.78

o.T.

Kenneth Letsoin aka Naamlooozz ist purer gelebter Strich. Der Malberserker aus Rotterdam sieht einen Raum, eine Fläche, einen Gegenstand und legt los, Rotzig, frei aufgetragene Farbe wird mit einer Linie gebrochen und mit der nächsten Fläche entweder versöhnt oder doch wieder in Frage gestellt. Dabei ist es egal ob Dose, Pinsel, Roller oder kaputte Plastikeimer im UWE-Keller. Was er findet ist kombinierbar, formbar und wird zur Malerei. Es ist ein stetiges, dynamisches Wachsen von der Linie, zur Form, zum ganzen Raum. Die Malerei wird zum Raum, der Raum zur Malerei.

Naamlooozz erschaftt an den Stränden Mexikos Kunstinstallationen aus Plastikmüll oder „vandalisiert“ Werbung in den Straßen von Rotterdam. Naamlooozz ist ständig unterwegs, arbeitet in Gemeinschaftsprojekten zusammen mit Menschen unterschiedlichen Alters und Hintergrund und ist überall auf der Welt zu finden.

Naamlooozz über sich selbst: „Die Straße inspiriert mich. Ich bin einfach ein Typ von der Straße.“

Lapiz (Hamburg) Nr.79

„(7 Daughter’s of) EVE“

Laut einer wissenschaftlichen Studie teilen sich alle lebenden Menschen Europas nur sieben gemeinsame Vorfahrinnen (die vor ca. 10.000 bis 50.000 Jahren lebten). Weltweit gedacht lässt sich annehmen, dass alle heute lebenden Menschen, Nachfahren einer Handvoll Mütter sind. Wir alle sind also miteinander verwandt und uns näher, als es unser Aussehen und Kulturen vermuten lassen.

So ist das Motiv aus den Gesichtern verschiedener Frauen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammengesetzt. Darüber hinaus teilen sich alle Menschen mit blauen Augen weltweit, einen gemeinsamen Vorfahren/Vorfahrin, der/die vor 6.000 – 10.000 Jahren lebte.

LAPIZ hat seine Arbeiten durch und durch der Gesellschaftskritik verschrieben. Seine farbenfrohen, lebendigen Schablonenarbeiten, die er auf großfl ächige Wände projiziert, decken die Ungerechtigkeiten unserer Welt auf. LAPIZ möchte mit seiner Kunst Werbung für die Wahrheit machen, Passanten aus dem Alltag reißen, sie aufwühlen und mahnen, sie miteinander ins Gespräch bringen und sie nötigen ihre eigene Haltung zu überdenken.

Kera (Berlin) Nr.80

o.T.

Der 1985 in Berlin geborene Künstler Christian Hinz aka Kera beschäftigt sich seit über 23 Jahren mit Farben, Drucktechniken und Fassadenmalerei. Seine Arbeiten sind geometrisch abstrakt, aber doch räumlich zugleich, dabei spielen Grafik und Ästhetik eine große Rolle. Sowohl die Umgebung und die dazugehörige Farbwelt, als auch Impulse aus seiner Liebe zum Haptischen und Handwerklichen fließen oft mit ein.

In seinen Arbeiten spiegeln sich sein Grafikdesign Studium und seine Leidenschaft zur Linie, Struktur und Fläche sichtbar wieder, auch der jahrelange Umgang mit der Sprühdose, Wandfarbe und Pinsel färbt seinen Stil. Am liebsten beschäftigt er sich mit großformatigen Wänden, die zu produzierende Fläche kann für ihn nicht groß genug sein. Seine Wandbilder und Kunst am Bau-Projekte sind weltweit verteilt, von Katar, Großbritannien, über Mexiko bis in verschiedene europäische Regionen. Auch in Galerien und auf zahlreichen Messen ist er vertreten, hierfür gestaltet er Leinwände und Objekte in seinem Stil auf komprimierte und detaillierte Weise.

Seit 2012 arbeitet er als freischaffender Künstler. Seine Begeisterung für Siebdruck gibt er seit 2019 als Lehrbeauftragter für Drucktechniken an der Jugendkunstschule Steglitz weiter.

Quelle: Kera

xxminimquadrant (Osnabrück) Nr.81

o.T.

Zu sehen ist Intuitive Malerei. Dabei entstehen Buchstaben bis hin zur eigenen Schrift über Formen bis hin zu Wesen.

Ich agiere während des Prozesses immer frei / intuitiv, auch in Bezug auf die Farbwahl. Ich benutze eher ruhige Farben. Schwarz steht für mich für Ruhe/Tiefe und als guter Boden für alles Weitere wie z.B. Kontraste.

Ich bemale gern Fundstücke, Aussenfassaden, skizziere aber auch gern. Zudem arbeite ich viel mit der Nähmaschine. Am liebsten aber mit der Hand, auch rein intuitiv.

Ich möchte frei sein in meiner Kunst, diesen Freiraum vermitteln und somit den Betrachter / die Betrachterin meine Kunst auch frei interpretieren lassen.

Lapiz (Hamburg) Nr.82

„Margot Friedländer“

Margot Friedländer war mehr als eine Überlebende des Holocausts. Sie war eine Zeitzeugin, die sich gegen das Vergessen einsetzte. Anstatt mit erhobenem Zeigefinger zu mahnen, suchte sie das Gespräch mit den Menschen, besuchte Schulen und warnte vor dem Faschismus. Gerade heute in Zeiten eines Rechtsschubs der etablierten Parteien und das Erstarkens der faschisten AfD war ihre Stimme so wertvoll. Ihr Portrait ist in Form eines Fingerabdrucks gemalt und symbolisert dadurch die Spuren, die sie in unserere Gesellschaft hinterlassen hat. Margot Friedländer ist im Alter von 103 Jahren im Mai 2025 vertorben. Danke Margot. Ruhe in Frieden.

LAPIZ hat seine Arbeiten durch und durch der Gesellschaftskritik verschrieben. Seine farbenfrohen, lebendigen Schablonenarbeiten, die er auf großfl ächige Wände projiziert, decken die Ungerechtigkeiten unserer Welt auf. LAPIZ möchte mit seiner Kunst Werbung für die Wahrheit machen, Passanten aus dem Alltag reißen, sie aufwühlen und mahnen, sie miteinander ins Gespräch bringen und sie nötigen ihre eigene Haltung zu überdenken.

Ordinario (Köln) Nr.83

o.T.

Ordinarios Arbeiten sind geometrische Reaktionen auf architektonische Gegebenheiten. Sie verstecken sich und tauchen plötzlich auf. Dabei interessiert sich Ordinario für ungewöhnliche Situationen, die für Maler nicht unbedingt interessant sind. Seine Formstudie beinhaltet vielfältige Formate. Zum derzeitigen Zeitpunkt untersucht er kreisförmige Entitäten, die verspielt auf ihre Umgebung eingehen.

Ordinario ist ein deutsch-filipinischer Künstler, der in Köln und Berlin lebt. Als Architekturzeichner widmet er sich zwei- und drei-dimensionalen Formen. Diese sind inspiriert von natürlichen Formen, denen er in seiner eigenen kulturellen Auseinandersetzung immer wieder begegnet. Er versucht, seine kulturellen Wurzeln zu verstehen, ohne viel über sie zu wissen. So wird das Carabaohorn zum Leitmotiv und Ziegenköpfe werden zu architektonischen Bausteinen. Er schloss 2022 als Meisterschüler in der Architekturklasse der Kunstakademie Düsseldorf ab und wurde mit dem Förderpreis ausgezeichnet.

Ordinario begibt sich auf eine Reise mit interkulturellen Techniken. Er bezeichnet sich selbst als kulturelles „Dazwischen“ und wird so zu einem Experimentator, der die Grenzen seiner Herkunft verwischen will. So entsteht eine neue Welt, die ihren eigenen Regeln folgt. Die Formen, die durch diese Ordnung entstehen, sind „freihändig- symmetrisch“. Sie entstehen durch ein „unsichtbares Raster“, das Ordinario Punkt für Punkt erscheinen lässt. Diese Technik erlaubt es ihm, sich auf einem zweidimensionalen Medium ohne vorge- fertigtes Raster präzise zu orientieren. Er bewegt sich zwischen geometrischer Konstruktion und Freihandzeichnung auf der Grundlage architektonischer Operationen. Das Ergebnis sind Entwürfe von Formen, Mustern und Zeichen.

TIEV (Leipzig/Halle) Nr.85

"Salmiak"

Wie dunkles Salmiak durchdringt die Installation von TIEV mit mystischer Intensität den Raum. Auf Tapete malte das Duo Fragmente von Schrift, löste daraus einzelne Elemente und integrierte diese als Holzobjekte, die sie wie ein Mobile im Raum positionierten. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln verschmelzen diese mit der Malerei zu neuen vielschichtigen Bildern. Dem salzigen Beigeschmack des Salmiak positionierte TIEV bewusst gesetzte Farbakzente entgegen.

TIEV ist ein Künstlerinnenkollektiv bestehend aus Lumi und Mara Niederprüm. Seit 2023 arbeiten sie gemeinsam an der Schnittstelle zwischen urbanem Raum und Galeriekontext. Ihre Arbeiten bewegen sich im Spannungsfeld von Malerei, Installation und Raumintervention - basierend auf Schrift, Formen und deren Abstraktion. Dabei greifen sie immer wieder auf Asemische Schrift zurück – eine Form des Schreibens, die ohne sprachlichen Bezug auskommt und stattdessen als visuelle Geste funktioniert.

Chiara Dahlem (Luxemburg) Nr.86

"Plagegeister"

In der Installation Plagegeister befinden sich 25 Kleidermotten – eine für jedes Jahr bis 2025 – symbolisch für schleichende Zerstörung durch weltweite Konflikte. Sie verbindet sich thematisch und materiell mit Waschtag (2024): Der Stoff des angefressenen Peace-Zeichens stammt aus dieser früheren Arbeit. Beide Installationen finden auf einem Dachboden statt – einem Ort des Erinnerns, Aufbewahrens und Verdrängens.

Der Besucher wird vom warmen Licht und der weichen Drapierung des Peace-Zeichens angezogen – wie die Motten selbst. Diese weiche, beinahe tröstliche Drapierung des Stoffs erzeugt eine trügerische Geborgenheit. Doch diese scheinbare Geborgenheit trügt: Das Symbol ist bereits unwiderruflich beschädigt, der Frieden angefressen.

Im linken Bereich kontrastiert kaltes Licht mit einem übergroßen Nest aus Dämmmaterial, um das sich die Motten sammeln. Der einzige Farbakzent neben dem warmen Beige des Peace-Zeichens ist das bräunliche Nest – Zeichen für das Verborgene, das Zersetze, bereits Zerstörte. Verdeutlicht wird der Widerspruch zwischen dem Wunsch nach Harmonie und Frieden sowie der unaufhaltsamen Zerstörung durch innere wie äußere „Plagegeister“.

Plagegeister spielt mit Gegensätzen: Licht und Dunkelheit, Wärme und Kälte, Anziehung und Gefahr – und stellt die Frage, was uns lockt und zugleich zerstört. Es handelt sich hierbei um eine zeitlose Installation die zudem jedes Jahr um ein weiteres Element, einer weiteren Motte, ergänzt werden und somit stetig wachsen soll.

Die Luxemburgerin Chiara Dahlem spricht eine vielfältige, starke, prägnante Sprache. Ihre kraftvollen Installationen, Plastiken und Malereien schreien geradezu angesichts ihrer Inhalte, die Rassismus, Krieg, Gewalt und Überwachung thematisieren. Dennoch gleitet sie dabei nie ins bloße Erklären ab, sondern erschafft Räume die Fragen stellen, Betroffenheit hervorrufen und Teilnahme möglich machen.

Trotz des vielen Blutes, ein Markenzeichen der Künstlerin, lässt sie sich aber auch nicht auf eine einseitige Fokussierung auf das Negative festmachen. Je nach dem Ort, seiner Geschichte und den Hintergründen, entscheidet sie sich immer wieder neu, welche Fragen sie rufend in den Raum stellt. Seien es vielfarbig gestreifte Brücken oder tausende Papierkolibries in einer alten Zeche.

element-art (Bernsdorf) Nr.87

„COUNTING DAYS“

6524 Tage/ 5217 Wochen / 1199 Monate / 99 Jahre - die gezählte Betriebszeit von 1914 bis 2013 im UmspannWerk Etzdorf.